Michael Hanel im Interview:

Sie sind als Sänger in vielen Genres tätig. Wie kamen Sie zur klassischen Musik?

Durch die Ausbildung bei der Gesangspädagogin Ulrike Riezler kam ich früh mit den großen Liederzyklen der Romantik sowie den Bariton-Partien aus Oper und Operette in Kontakt. Nicht zuletzt durch meine Tätigkeit als Organist an verschiedenen Kirchen in der Region widmete ich mich seit meiner Jugend auch der Kirchenmusik. Nach der Zeit als Tenor und später Bass in den Kirchenchören von St. Nikolaus (Immenstadt) und St. Christoph (Sonthofen) sowie im Vocalensemble Sonthofen wurde ich in das Solistenquartett des renomierten St. Michael Chores (Sonthofen) aufgenommen und singe dort seitdem die Basspartien bei Messen und Konzerten.

           

Aber Sie singen auch außerhalb dieser Formationen. Mit welchen Projekten waren Sie seit 1996 zu hören?

Nach meiner Ausbildung zum Bariton intensivierte ich meine Konzerttätigkeit und werde seither für viele Events in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz engagiert.
In den Jahren 2004 und 2005 wirkte ich bei den Uraufführungen der von Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Riedel (Universität Mainz) entdeckten und neu editierten Großen Orgelsolo-Messe von Joh. Georg Zechner aus dem Stift Göttweig (A) als Solist mit.
Ebenfalls im Jahre 2004 übernahm ich beim Internat. Musikfestival Musica Sacra den Solistenpart bei der deutschen und der österreichischen Uraufführung von Nils Lindbergs Requiem.
Eines meiner Lieblingsprojekte ist das Kreisler-Programm, das ich gemeinsam mit dem Pianisten H.W. Retzer seit 2005 spiele.

Sie sind auch Dozent für Gesang und Sprecherziehung. Wo und wie arbeiten Sie?

Die Musik- und Gesangspädagogik ist mein Hauptbeschäftigungsfeld. Seit 1999 arbeite ich als Stimmbildner für Chöre und solistische Ensembles. Daneben bin ich als Gesangslehrer in Augsburg und im Allgäu tätig und habe seit 2006 einen Lehrbeauftrag für Gesang am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg.
Ich arbeite mit einer Kombination aus fundierter, technischer Anleitung und musikalischem Laissez-faire, um die Talente der Schüler entdecken und fördern zu können. Denn was für mich der richtige Weg ist, muss es nicht zwangsläufig auch für meine Schüler sein.
Ich bin daher überzeugt, dass für jeden Schüler ein individuelles Programm erstellt werden muss, um ihn bestmöglich auf seinem musikalischen Weg zu unterstützen. Jeder Mensch reagiert anders auf Impulse und meine Aufgabe ist es, die richtigen Impulse zu geben.
Eine große Rolle spielt in der Gesangsausbildung die Psyche des Schülers. Singen bedeutet, sich fremden Menschen zu öffnen. Dies erfordert eine hohe seelische Belastbarkeit, die Routine ausstrahlt, sodass der Zuhörer sich der Musik hingeben kann und nicht mit dem Sänger um einen "guten Ausgang" des Vortrags hoffen muss. Auf der anderen Seite ist das Hinterfragen eigener Fähigkeiten und eine ständige Neuausrichtung auf das Ziel maßgebend, um sich selbst gegenüber kritikfähig zu bleiben.

       

Welche Epoche liegt Ihnen besonders am Herzen?

Zweifelsohne die Alte Musik. Als Gründungsmitglied der Camerata Augsburg, als Solist beim Collegium Musicum Lindau, Mitarbeiter im Collegium Musicum der Universität Augsburg sowie als Sänger im Kammerchor der Universität Augsburg bin ich seit mehr als 15 Jahren intensiv mit diesem Genre in Berührung und es macht mir große Freude, Alte Musik zu interpretieren.

Wie können Sie Ihr Repertoire umreißen?

Zu meinem Repertoire gehören Bass- und Baritonpartien aus Oratorien (vor allem Bach und Haydn) und Messen (vor allem Mozart, Schubert und französische Komponisten der Romantik), sowie aus Opern und Operetten.
Natürlich findet sich Alte Musik in meinem Programm, aber auch Kompositionen des 20. Jahrhunderts. Hinzu kommen die Gospelmusik und der Jazz, den ich aber nur als Hobby betreibe.

Zudem bin ich erklärter Musicalverweigerer...


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